Glossar

Argumentationsmuster

"alternative" Fakten

Bei „alternativen” Fakten handelt es sich um Pseudofakten. Das sind angebliche Fakten, die Tatsachen verzerrt wiedergeben, falsch einordnen oder in einen anderen Kontext setzen. Es handelt sich dabei im Prinzip um eine Lüge. Durch die Nutzung von falschen Fakten sollen die Aussagen seriöser und glaubwürdiger erscheinen. Um „alternative” Fakten zu vermeiden, solltest Du stets die Informationsquellen hinterfragen und diese gegebenenfalls sogar als Beleg verlangen. Die Seriosität von Quellen sollte generell immer hinterfragt werden.

(Rassistische) Stereotype

Stereotype sind weit verbreitete Vorstellungen und Vorurteile, die dazu dienen, jemanden oder etwas zu charakterisieren. Meist schreiben sie einem Einzelnen oder einer Gruppe aufgrund von Merkmalen wie der Hautfarbe oder dem Geschlecht bestimmte Eigenschaften zu. Stereotype sind verallgemeinernde Vorstellungen, die man gegenüber anderen Menschen hat. Dies ist natürlich eine starke Vereinfachung der Wirklichkeit. Stereotype sind sehr starr und oft fest verankert in den Vorstellungen der Menschen. Mit Stereotypen grenzen sich Menschen von anderen ab und ordnen sich selbst und anderen bestimmte Eigenschaften zu. Solche festen Denkmuster geben Sicherheit, da Situationen und Personen nicht ständig neu interpretiert und gedeutet werden müssen. Es gibt negative wie auch positive Stereotype und Zuschreibungen. Diese Verallgemeinerungen sind aber selten zutreffend, grenzen Menschen aus und führen zu Benachteiligung und Diskriminierung.

Denken in Feindbildern

Denkt ein Mensch in Feindbildern, findet eine klare Trennung zwischen der eigenen Gruppe (etwa „wir“ oder „Volk“) und einem angeblichen „Feind“ („die“) statt. Hierbei entscheidet zum Beispiel das selbsternannte „Volk“, was als feindlich angesehen wird und somit nicht zur eigenen Gruppe gehört. Der „Feind“ wird zum Außenseiter und als Bedrohung angesehen. Hierbei kann es sich um ganze Bevölkerungsgruppen, Regierungen, Parteien, Bewegungen, aber auch um einzelne Personen handeln. Ob diese Ansichten auch der Mehrheit der Bevölkerung entsprechen, ist dem „Volk“ dabei egal. Es sieht sich selbst als Opfer und fühlt sich durch den angeblichen „Feind“ bedroht. Um radikale Maßnahmen zu rechtfertigen, vereinfachen sie Zusammenhänge und konstruieren Bedrohungsszenarien. Häufig stehen diese auch im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien.

Emotionalisierung und Angstmache

Immer wieder versuchen Menschen, andere von ihren Aussagen und Einstellungen zu überzeugen. Dabei wird häufig die sogenannte Emotionalisierung und Angstmache als Mittel verwendet. Durch eine bestimmte Wortwahl wird zum Beispiel die Stimmung in der Bevölkerung emotional angeheizt. Bestimmte Vorurteile werden gezielt genutzt, um bereits vorhandene Unsicherheiten zu verstärken. Durch das Aufgreifen von Unsicherheiten und Ängsten sollen die Menschen empfänglicher für populistische Meinungen gemacht werden. Dies geschieht in einem emotionalen und häufig auch aggressiven Tonfall, sowohl in den sozialen Medien, aber auch in Form von Protesten auf der Straße (wie zum Beispiel die Pegida-Demonstrationen). Es wird bewusst mit der Angst der Menschen gespielt, um den eigenen Aussagen und Forderungen Gewicht zu verleihen.

Fake News

Der Begriff Fake News setzt sich aus den englischen Wörtern für falsch/gefälscht („Fake“) und Nachrichten („News“) zusammen und beschreibt falsche/gefälschte Nachrichten, also Falschmeldungen. Problematisch daran ist, dass viele Menschen diese Nachrichten für echt halten. So verbreiten sich Lügen und falsche Behauptungen rasend schnell, vor allem im Internet. Durch Fake News kann politische Hetze oder Hass gegen bestimmte Gruppen und auch Einzelpersonen entstehen und weiterverbreitet werden. Auch wenn eine Meldung mit Schlagzeile und Bildern seriös aussieht, kann es sich um eine Falschmeldung handeln.

Eine Meldung oder Nachricht sollte immer durch Argumente und Fakten gestützt sein. Aber selbst, wenn eine Meldung Zahlen und Zitate enthält, heißt das nicht automatisch, dass diese vertrauenswürdig sind. Deshalb solltest Du prüfen, woher die Zahlen und Zitate stammen und wer der Verfasser einer Meldung ist. Es ist sinnvoll, sich bei verschiedenen Quellen zu informieren. Veröffentlichen mehrere Quellen unabhängig voneinander die gleiche Meldung, handelt es sich vermutlich um „echte“ Nachrichten und keine Fake News.

Hate Speech

Der Begriff „Hate Speech” kommt aus dem Englischen und wird mit „Hassrede” übersetzt. Das sind menschenverachtende Aussagen, die eine einzelne Person oder eine Gruppe abwerten. Diese Aussagen zielen auf Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft, Religion oder auch Sexualität. Die Menschenwürde wird dabei verletzt und Gruppen werden eingeschüchtert. Hate Speech kann sich auch indirekt äußern, etwa in Bildern oder Memes. Besonders häufig findet man Hate Speech in den sozialen Netzwerken und auf anderen Plattformen im Internet, auf denen Menschen anonym hetzerische Aussagen verbreiten. Aber auch offline begegnet man Hassrede, die häufig die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreitet. Sie fördert die Verbreitung von Vorurteilen und Hass, was häufig zu Gewalt führt.

Mehrheitsvereinnahmung

Populisten erheben oft den Anspruch, die Meinung der großen Mehrheit wiederzugeben. Es soll der Eindruck erweckt werden, dass eine Position vom Großteil der Bevölkerung geteilt wird und sie dadurch demokratisch gerechtfertigt sei. Die eigenen Forderungen sollen dadurch verstärkt werden. Solche Aussagen lauten häufig: „Wir wollen/Das Volk will …“ oder „Wir alle denken, dass …“. Allerdings wird dabei nicht definiert, wer genau „wir“ oder „das Volk“ ist. Es erweckt lediglich den Anschein, dass eine große Anzahl von Menschen derselben Auffassung ist. In Realität treffen solche Aussagen aber nicht auf die gesamte Bevölkerung zu, denn Meinungen sind vielfältig. Bemerkst Du eine Mehrheitsvereinnahmung, solltest Du gezielt nachfragen, wessen Meinung die Aussage konkret wiedergibt. Wer ist mit „das Volk“ oder „wir“ gemeint? Du solltest klarstellen, dass das Gegenüber eben nicht für die Mehrheit spricht. Denn die Gefahr einer Mehrheitsvereinnahmung besteht darin, dass im Wir-Begriff gezielt eine Menschengruppe ausgegrenzt wird.

Opferinszenierung

Populisten wollen mit ihren Aussagen provozieren. Häufig wird auf diese Provokation sehr emotional reagiert. Das ist oftmals beabsichtigt. Regst Du Dich über eine Aussage aber zu sehr auf, begibt sich das Gegenüber oft in eine Opferrolle. Er oder sie wirft Dir dann zum Beispiel vor, dass andere Meinungen wie seine oder ihre nicht akzeptiert werden.

Verstärkt werden Menschen in ihrer Opferinszenierung auch dadurch, dass andere Menschen sie eben nicht in einer Opferrolle sehen. Berechtigte Kritik, die Du gerne geäußert hättest, wird vom Gegenüber abgewiesen, ohne dass es zur Diskussion kommt. Damit es gar nicht erst so weit kommt, solltest Du in einem ruhigen und sachlichen Tonfall erklären, dass Kritik Teil der Demokratie ist und nicht jeder jede Meinung gut finden muss. Denn genau das macht Meinungsfreiheit aus – man darf widersprechen und Kritik äußern. Beleidigungen und Volksverhetzung hingegen sind verboten.

Populistische Sprachbilder - Framing

„Framing“ beschreibt den Effekt, dass bestimmte Formulierungen und Wörter auch bestimmte Bilder und Eindrücke beim Empfänger erzeugen. Das heißt, dieselbe Botschaft sorgt für unterschiedliche Reaktionen, je nachdem wie sie formuliert wurde. Durch eine bildhafte Darstellung werden Ängste verbreitet. Das soll dazu führen, dass radikale Maßnahmen plausibel erscheinen.

So auch beim Wort „Flüchtlingswelle“. Anstatt die einzelnen Schicksale der Geflüchteten aufzuzeigen, die Schutz vor Krieg oder Armut in ihrem Heimatland suchen, vermittelt das Bild der „Welle“ den Eindruck einer Umweltkatastrophe. Plötzlich scheint es plausibel, sich vor dieser „Welle“ schützen und abschotten zu wollen. Durch diese Wortwahl erscheint eine radikale Position auf einmal als gerechtfertigt. Der eigene Wortschatz sollte immer wieder hinterfragt werden. Wenn Du erkennst, dass Dein Gegenüber ein solches Sprachbild verwendet, benenne es und weise auf die Konsequenzen hin. Gemeinsam kannst Du mit Deinem Gegenüber auch eine sachlichere Alternative finden.

Provokation und Tabubruch

Häufig versuchen Menschen zu provozieren, indem sie bewusst umstrittene Begriffe oder Aussagen verwenden. Damit setzen sie sich absichtlich und gezielt über politische Korrektheit hinweg. „Politisch korrekt“ ist die kritische Auseinandersetzung des eigenen Sprachgebrauchs. Das heißt, Wörter und Redewendungen werden kritisch hinterfragt. Gesellschaftliche Veränderungen führen zum Beispiel dazu, dass einzelne Redewendungen als unangemessen angesehen werden. Sie werden verworfen und durch Alternativen ersetzt.

Um zu provozieren, nutzen Menschen absichtlich Redewendungen, die als „politisch unkorrekt“ gelten. Auf einen solchen Tabubruch folgt dann oftmals die Selbstdarstellung als Opfer. Letztlich verhindert dies ein konstruktives Gespräch, denn die Provokation lenkt vom eigentlichen Thema ab.